English English facebook youtube  contact Login 

Die iranische Architektur und Kultur

Die iranische Architektur und Kultur

Bei Betrachtung der islamisch-iranischen Architektur stellen wir fest, dass sich diese Kunst in einem großen geografischen Raum verbreitet hat. In den Nachbarländern Irans finden wir heute
zahlreiche Beispiele für islamisch-iranische Baukunst vor. Dies ist ein Beweis für die kulturellen Gemeinsamkeiten in dieser geografischen Region. Wir sagten schon, dass im heutigen Iran und in den Nachbarländer der Bau von Ruhestätten von Bedeutung ist. Im Iran und in benachbarten Gebieten treffen wir viele Mausoleen an, die sich ähneln und im iranischen Stil errichtet wurden.

Einige der vielen Mausoleen, die früher für Persönlichkeiten aus Religion, Wissenschaft, Literatur und sogar Politik gebaut wurden, stellen in der Tat architektonische Meisterwerke dar.

Als Beispiele können das Samaniden-Mausoleum in der Stadt Buchara, die Grabstätte Mo`zeddin Sandschar in Marw, sowie „Gurmir“ und

die Grabstädte Timurs in Sarmakhand angeführt werden. Bekannt sind auch Itemad ad dulah und Tadsch Mahal in der Stadt Agra in Indien und das Mausoleum von Mohammad Adelschah in Bidschapour sowie die Grabstätte Dschehangir in Lahore. Alle diese Bauwerke wurden entweder von iranischen Baumeistern oder in Anlehnung an die iranische Architektur errichtet.

An solche historischen Bauwerken ist abzulesen, dass sich die Bautraditionen in einem großen Gebiet ähnlich waren. Die Bezeichnung für die Grabmäler waren unterschiedlich: sie wurden Bordsch – Turm, Gonbad – Kuppel – Boq`eh – Mausoleum oder Mazar – Grab – genannt. Meistens waren es runde, vier- oder achteckige Bauten mit einer Kuppel. Es war üblich, gebrannte Ziegelsteine zu verwenden und, das Gebäude mit Inschriften zu verzieren und die Wandflächen mit türkisfarbenem Kachelwerk zu verkleiden. In den Grabstätten in Buchara, Marw und Chorassan wurden große Ziegelsteine in gleichmäßiger Anordnung verwendet. Weitgehende Verwendung fanden die glasierten Kacheln aus der Stadt Kaschan. Hierzu liefert das Mausoleum von Itemad ad dulah in Agra ein anschauliches Beispiel. Dieses Bauwerk entstand im 7. Jahrhundert nach der Hidschra, 13. Jahrhundert nach Christus. Es ist ein exzellentes Beispiel für iranische Kachelverzierungen.
Die Mausoleen dienten als Schutz für die eigentliche Grabstätte. Einige Persönlichkeiten ließen diese Stätten noch zu Lebzeiten für sich herstellen, aber viele wurden auch von den Hinterbliebenen zu deren Erinnerung errichtet. Gemäß islamischer Tradition zeigen alle die Bauwerke in die Gebetsrichtung, nämlich die Kaaba in Mekka. Meistens gehören eine Vorterrasse und mehrere Randbauten dazu
In einigen Fällen liegen sie an einem günstigen Ort oder einem wichtigen Viertel der Stadt, zum Beispiel neben einer Moschee. Dadurch genießen diese Stätten die besondere Beachtung der Bevölkerung. Wegen dem Stand und Ansehen des Verstorbenen wurden einige Ruhestätten als Wahrzeichen einer Stadt bekann wie zum Beispiel die Grabstätte der weltbekannten Dichter Ferdowsis als Wahrzeichen von Tuss und die Grabstätte von Hafis als Wahrzeichen von Schiras.

Die iranischen Mausoleen wurden in einem Garten errichtet oder von Bäumen umgeben, vor allen Dingen von immergrünen Bäumen wie die Zypresse.

Bei der Besprechung von iranischen Baustilen haben wir bereits in einem anderen Beitrag erwähnt, dass die Ghaznawiden im 11. Jahrhundert nach Christus den Gonbad Qabus bauten, einen Turm im Stil einer Grabstätte. Qabus Ibn Woschmgir war Befehlshaber über einen Teil des nordiranischen Mazandarans. Er hatte den Befehl zum Bau des Gonbad Qabus gegeben. Es handelt sich um einen zylindrischen Turm mit einem kegelförmigen Dach. Der Turm erreicht eine Höhe von 51 m und wurde aus Ziegelsteinen gebaut. Die einzige Verzierung besteht aus zwei Inschriftenbändern in kufischer Schrift. Wie archäologische Untersuchungen zeigen, wurde aber niemand in diesem Turm beigesetzt.

In Khorassan, Nordostiran wurde eines der schönsten architektonischen Werke Irans erbaut, das sich Mazar Scheych Ahmad Dscham nennt. Es steht in der Stadt Torbate Dscham und hier liegt der iranische Mystiker Scheych Ahmad Dscham begraben, der Ende des 5. Jahrhunderts Anfang des 6. Jahrhunderts nach dem Mondkalender gelebt hat (12. Jahrhundert nach Christus). Diese Grabstätte und das Gelände auf dem sie steht umfasst circa 64 Tausend Quadratmeter. Es kommen viele nach Torbat Dscham um dieses schöne Bauwerk mit seinem großen Holztor und seinem schönem Gewölbebau und den Wandgemälden mit Blumen- und Blättermotiven zu sehen. In der Moschee neben dieser Grabstätte wird das tägliche Gebet verrichtet und treffen sich die Menschen zum gemeinschaftlichen Gebet am Freitag und an Festtagen. Die Pilger zum Grab von Scheych Ahmad Dscham betreten dieses Mausoleum ohne Schuhwerk.

Die eigentliche Grabstätte wurde aus Ziegelsteinen und Gips erbaut liegt höher als die Erdoberfläche und unter freiem Himmel. Ein alter Pistazienbaum spendet mit seiner großen Baumkrone seinen Schatten. Am Kopfende und am Fußende des Grabes befinden sich zwei große Steinplatten in senkrechter Stellung auf denen das Wort Allah und der Name des Propheten des Islams und einige poetische Halbverse eingemeißelt sind. Am Rande dieser Ruhestätte sind Inschriften zu sehen, welche die Freunde dieses Mystikers ihm gewidmet haben.
Überall in den islamischen Ländern sind beim Bau von Ruhestätten Inschriften mit koranischen Inhalt üblich, die an die Wahrheit des Todes und an das ewige Leben erinnern. Auch die Gedichte, die in Inschriften verwendet werden beziehen sich auf religiöse Überzeugungen und auf die Bitte um Vergebung bei Gott.

Ein weiteres Bauwerk, das anfangs als Grabstätte gedacht war ist Gonbade Sultaniyeh. Es gilt als ein iranisches Meisterwerk der Architektur. Gebaut wurde Gonbad Sultaniyeh zur Zeit von Sultan Mohammad Chodabandeh. Der Bau dauerte 10 Jahre, von 703 bis 713 nach der Hidschra. (circa. 1304 bis 1314) . Gonbade Sultaniyeh liegt in der Nähe von Zandschan im Nordwesten Irans und wurde um 2010 in die Unesco-Liste für Weltkulturerbe eingetragen.
Einige meinen, dass Sultan Mohammad Chodabande im Keller dieses Gebäudes begraben liegt, aber andere lehnen diese Meinung ab und sagen, dass kein Grab in diesem Gebäude existiert. Das Bauwerk ist der größte Kuppelbau aus Ziegelsteinen auf der Welt . Das Deckengewölbe ruht auf einem achteckigen Unterbau und ist mit 8-eckigen türkisfarbigen und hellblauen Kacheln geschmückt. Die Kuppel von Gonbad Sultaniyeh erreicht 54 m. Sie war zu seiner Zeit das höchste Gebäude weltweit. An einigen Stellen ist das Ziegelsteinwerk mit buntem Stuckwerk verziert. Dieser große Kuppelbau hat 8 Minarette, die rund um die türkisfarbene Kuppel herum angeordnet sind. Von dem kunstvollen Kachelwerk ist heute nur noch ein Teil erhalten. Die Mitarbeiter des Zentrums für iranisches Kulturerbe arbeiten an der Restaurierung des Gebäudes.

irib

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *


Atashkadeh