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Polo ist ein Erbe des Achämenidenreiches

Polo ist ein Erbe des Achämenidenreiches

Dies ist ein Beitrag über das Pferdepolo und seine lange Geschichte und Herkunft im Iran.
Wir schreiben das Jahr 522 vor Christus. Darius der Erste, König der Achämeniden, wartet gerade auf den Beginn seines Lieblingsspiels. Die Reiter sind bereits auf dem Platz vor seinem Palast Tacht-e Dschamschid (Persepolis) erschienen. Das Spiel beginnt. Mit dem Schläger in ihrer Hand bewegen die Reiter eine Kugel auf dem Feld hin und her. Jede der beiden Reitergruppen versucht sie in Richtung des Tores der Gegenseite zu treiben, das heißt die Kugel muss die beiden Holzpflöcke, die am Feldrand die beiden Tore markieren, passieren.

Die Berater Darius des Ersten haben dieses Spiel gefördert, damit die Soldaten und Heeresführer ihrer Reit- und Kampfkünste, körperliche Kondition und Geschicklichkeit verbessern. Dieses Spiel heißt zu Persisch „Tschugan“. Es ist heute als Polo auf der Welt bekannt.

Seit eh und je gilt Tschugan als Sport der Iraner. Es gibt genügend Anhaltspunkte, welche die legendär lange Vergangenheit des Tschugans im Iran bestätigen. In einem der wichtigsten Zeugnisse für die Identität der Iraner, dem Schahnameh Ferdausi – „das Buch der Könige“ ist öfters vom Tschugan-Spiel- die Rede. Die legendären Helden Irans, Siawasch und Rostam haben diesen Sport betrieben.

Siawasch beteiligte sich am Tschugan-Spiel, um den Herrschern von Turan seine Kühnheit und Gewandtheit zu demonstrieren. Sein Gegenspieler war Garsivaz von Turan.

Dazu dichtet Ferdausi:

Siawasch trat von der Terasse auf den Platz herab

Und spielte rund um das Feld

Als Garsivaz die Kugel schleuderte

Gab ihr einen so kräftigen Schlag

dass sie nicht mehr zu sehen war

Aus der Zeit der Sassaniden blieben zahlreiche Erzählungen und zuverlässiges Dokumentationsmaterial erhalten, welche zeigen, von welcher Bedeutung das Tschugan im Iran war.

Tschugan war wichtiger Bestandteil der Ausbildung der sassanidischen Prinzen. Shapur der Zweite ist mit 17 nach Abschluss der theoretischen Ausbildung dem Tschugan-Spiel nachgegangen und Bahram hat mit 18 das Tschugan-Spiel bis zur Vollendung erlernt.

Chosrau Parwez hatte jeden Monat in 4 Abschnitte eingeteilt und verbrachte den ersten Abschnitt mit Tschugan und Bogenschießen, und Übungen und dem Erlernen dieser Disziplinen bei versierten Lehrmeistern.

Das Tschugan-Spiel des Sassanidenkönigs Chosrou Parwez wurde Inhalt eines schönen Gedichtes von Nezami Gandschawi, dem iranischen Dichter (1141-1209) in seinem lyrischen Werk „Chosrau wa Schirin“. Aus diesem Gedicht geht hervor, dass auch die Frauen Tschugan spielten , manchmal sogar noch mit größerer Begeisterung als die Männer.

In „Chosrau wa Schirin“ heißt es, dass die schöne Schirin 70 Gefährtinnen hatte: alles geschickte Tschugan-Spielerinnen. Nezami berichtet über Tschugan-Wettbewerbe zwischen Chosrau und Schirin .

Für die iranischen Lyriker und Künstler ist das Pferdepolo immer ein gutes Motiv gewesen. Nicht nur im „Buch der Könige“ von Ferdausi und im „Chosrau wa Schirin“ von Nezami sowie in dessen „Machzan ol Asrar“ (Schatz der Geheimnisse“) werden Tschugan-wettkämpfe beschrieben, sondern auch im Divan des Hafez und in den Werken von Dschami und anderen Lyrikern. Auch dort sind Beschreibungen von Prinzen und Söhne des Adels beim Tschugan zu finden. Tschugan war auch ein beliebtes Motiv für die persischen Maler. Sie haben die Textstellen über das Tschugan-Spiel in der persischen Lyrik entsprechend bebildert. Viele dieser Exemplare persischer Miniaturmalerei sind heute in den bekannten Museen der Welt zu bewundern.

Das älteste Schriftwerk, in dem Tschugan vorkommt, ist das Werk „Das Buch der Taten von Ardeschir Babakan“. Dieses Buch über Ardeschir Babakan oder Ardaschir I. , in griechisch-römischen Quellen auch Artaxerxesgenannt, welcher das Sassanidenreich ( 224-651 n. Christus) begründete, ist in der Islamischen Ära überarbeitet worden. An drei Stellen in diesem Buch wird über Tschugan und die Verbreitung dieses Spiels unter den iranischen Königen und Prinzen gesprochen.

Im Qabusnama, den Unsur al-Maali Kai-Kawus ibn Iskandar ibn Qabus (ca. 1021–1087), ein persischer Fürst aus der Dynastie der Ziyariden verfasste, ist ein Kapitel dem Tschugan-Spiel gewidmet und wird ausführlich über die Zahl der Teilnehmer und die Regeln dieses iranischen Spiels gesprochen. Unsur al Maali schreibt: „Bei dem Tschugan-Spiel liefern sich zwei Gruppen einen Wettkampf und die Zahl der Reiter in jedem Team beträgt vier. Ein Spieler in jedem Team hat als Verteidiger die Aufgabe die Kugel vom eigenen Tor fernzuhalten. Die anderen spielen in der Mitte des Feldes. Wenn die Kugel auf einen der Spieler zukommt, stößt er sie an und reitet hinter ihr her.

Die Spieler dürfen das Spiel nicht in einen Streit verwandeln. Einer ist Torschießer und Angreifer und zugleich auch Verteidiger. Ein anderer greift auch an, aber seine Rolle als Verteidiger ist größer (er ist so etwas wie ein Mittelspieler) und der nächste denkt beim Angriff des anderen Teams an Gegenangriffe. Natürlich müssen die Spieler bei einen Wechsel einander ersetzen und Rückhalt bieten. (Unsur al Maali, Qabusnama, S. 96 bis 97).

Tschugan hat es schon zur Zeit der Achämeniden (im 6. Jahrhundert vor Christus) im Iran gegeben, aber es erreichte seinen Höhepunkt unter den Sassaniden und war auch noch in der Islamischen Ära bis zum Ende der Safawidenherrschaft (1501–1722) in allen iranischen Städten üblich. Auch danach war es noch in Städten wie Teheran, Isfahan und Schiraz ein beliebter Sport.

Tschugan diente nicht nur der Unterhaltung sondern war auch eine Gelegenheit für die Teilnehmer ihrer Fähigkeiten wie Reit- und Kampfkunst unter Beweis zu stellen. Ein Polospieler musste auf einer begrenzten kleinen Fläche sowohl das Pferd im Griff haben als auch den Verlauf der Kugel und des Spiels genau verfolgen.

Gemäß historischen Unterlagen und der Aussagen von Weltreisenden wie Jean-Baptiste Tavernier (1605-1689), Jean Chardin (1643-1713), und Sir Percy Sykes (1868-1945) sowie Orientalisten wie Etienne Quatremère hat sich Tschugan von Iran aus auf andere Länder ausgebreitet. Der russische Orientalisit Inostrantsev hat Anfang des 20. Jahrhunderts einen Artikel über die Kampftechniken der Sassaniden verfasst und darin auch das Tschugan-Spiel beschrieben. Er erwähnt in seiner wertvollen Geschichtsbeschreibung ein Geschenk des Sassanidenkönig Chosrau Parwiz an den Römischen Herrscher: ein silbernes Tablett, auf dem Reiter beim Tschugan-Spiel zu sehen sind. Viele Forscher sind der Ansicht, dass die Welt durch dieses Geschenk zum ersten Mal mit dem Tschugan-Spiel Bekanntschaft schloss.

Das Tschugan-Spiel ging nicht verloren, nachdem die Iraner Muslime wurden. Im Gegenteil: die Araber übernahmen es.Dieser iranische Sportwettkampf erweckte das Interesse der arabischen Emire und Kalifen und bald wurde in der Nähe ihrer Palastgebäude Plätze für dieses Spiel angelegt. Das Gedicht Abu Nuwas des bekannten arabischen Dichters des zweiten Jahrhunderts nach der Hidschra ( 757 bis 815 nach Christus) dokumentiert auf schöne Weise das Tschugan-Spiel in dieser Zeit. In den Palästen der arabischen Abbasiden-Kalifen fanden Tschugan-Wettkämpfe statt und dies ist eines der Zeichen für den Einfluss der iranischen Kultur und Bräuche auf die Arabische Welt.

Zur Zeit der Mongolenherrschaft in Indien wurde man auch dort mit dem iranischen Tschugan vertraut. Die Engländer fanden während ihrer Kolonialherrschaft in diesem Land Gefallen an diesem Spiel und daraufhin wurde es auch in anderen europäischen und amerikanischen Ländern eingeführt. Auch jetzt hat Pferdepolo viele Anhänger rund um die Welt und jährlich findet ein internationaler Polo-Wettbewerb statt. Die iranische Tschugan-Föderation organisiert jährlich Wettbewerbe im Inland.

Es gibt zuverlässige Beweise dafür, dass Iran das Heimatland des Pferdepolos ist. Aber dennoch versuchen einige Länder diesen Sport unter ihrem Namen zu registrieren. China und die Vereinten Arabischen Emiraten waren bestrebt eine Eintragung des Tschugans unter ihrem Namen bei der Unesco zu erzielen, wogegen die Islamische Republik Iran sich jedoch rechtzeitig mit Erfolg wehrte. Nun versucht die Regierung der Republik Aserbaidschan das gleiche. Diese Republik hat bei der UNESCO den Antrag gestellt, dass dieser Sport als Weltkulturerbe unter seinem Namen registriert wird.

Dieses Land hat bereits das iranische Saiteninstrument „Tar“ bei der UNESCO registrieren lassen, um für sein noch junges Land eine kulturelle Identität aufzubauen. 2007 hat Baku ebenso zur Aufnahme der Hyrkanischen Wälder in der UNESCO-Liste für Welterbe eine entsprechende Akte eingereicht. Dieser Antrag wurde jedoch aufgrund der einleuchtenden Argumente Irans von der UNSECO abgelehnt . Nur circa 10 Prozent des Hyrkanischen Waldes liegt auf dem Boden von Aserbaidschan und 90 Prozent gehören zum geografischen Bereich Irans.

Die Republik Aserbaidschan ist außerdem seit längerem bestrebt den bekannten iranischen Dichter Nezami als eigenes Kulturerbe hinzustellen und hat in diesem Zusammenhang Propaganda betrieben und die persische Inschrift an seiner Grabstätte zerstört.

Und nun hat sich diese Republik, um künstlich eine kulturelle Identität aufzubauen, einem Sport aus der iranschen Antike zugewandt und versucht, dass dieser von der Unesco unter ihrem Namen als Weltkulturerbe anerkannt wird. Aber dieser Sport, nämlich Tschugan (Polo) ist, wie seine 3000-jährigen Geschichte zeigt, zweifelsohne ein iranisches Stück Weltkulturerbe.

irib

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